„Vertrauen ist alles“

Wie der Deutsche Karlheinz Niedermeier, seine Frau Fai und 38 Bauernfamilien im Norden Thailands mit INCHI GOLD ein ganz besonderes „Öl-Business“ auf die Beine stellten

Fai & Karlheinz

Karlheinz Niedermeier spricht gerne über sein Sacha-Inchi-Öl und darüber, wie die Musterproduktion ins Laufen kam. Noch lieber aber sprechen der 49-Jährige, der von allen nur Heinz genannt wird, und seine Frau Fai über Vertrauen. Damit nämlich fing die deutsch-thailändische Erfolgsgeschichte von INCHI GOLD eigentlich an.

Seit 10 Jahren leben die Niedermeiers am ländlichen Rand von Lampang, einer mittelgroßen Stadt im Norden Thailands. Es ist Fais Heimat. Kennengelernt haben sich der Bayer und die Thailänderin in München, wo Fai fast zwei Jahrzehnte gelebt und gearbeitet hat. „Irgendwann war das Heimweh zu groß, ich wollte einfach zurück“, erzählt sie. „Zum Glück ist mein Mann weder feige noch lebt er gern dort, wo es kalt ist“, sagt sie lachend.

Jahrelang betrieben die Niedermeiers auf ihrer Palama-Farm konventionelle Landwirtschaft - und lebten gut davon. Irgendwann kam die Sinnkrise. Heinz suchte nach einem nachhaltigen Projekt. „Wir wollten etwas Sinnvolles machen. Etwas, mit dem wir Geld verdienen können, das aber auch im Einklang mit der traumhaften Natur hier oben im Norden steht. Und als Ausländer wollte ich etwas zurückgeben dafür, dass ich hier leben darf“, sagt Heinz Niedermeier. Auf die Idee mit dem Sacha-Inchi-Öl kam Chemp, der Sohn des Ehepaars. „Wir waren sofort begeistert. Ich hab‘ gleich angefangen, alles zu lesen, was ich über Sacha-Inchi-Pflanzen und die Ölproduktion finden konnte“, so der Fabrikchef.

Bange war der Familie vor dem Neustart nicht. Der Berg „Doi Wawee“, in Thailand berühmt geworden durch einen Spielfilm aus den 70ern, gehörte längst zu ihren Lieblings-Ausflugzielen. Den kleinen Tempel in einem Dorf nahe der Stadt Chiang Rai unterstützten sie schon lange finanziell. Dass in der Gegend Sacha-Inchi-Nüsse wachsen, wussten sie. „Das erste Gespräch mit den Bauern dort ging trotzdem einigermaßen schief. Wir trafen auf Misstrauen und große Skepsis“, erinnert sich Heinz Niedermeier. Was kein Wunder war: Die Bauern hatten schlechte Erfahrungen mit Geschäftsleuten gemacht. Die hatten den Anbau der Pflanzen bei ihnen in Auftrag gegeben, die Nüsse dann aber nicht abgenommen. Für die Familien oben am Berg ein existenzielles Desaster. „Das hat es uns sehr schwer gemacht, das Vertrauen der Bauern zu bekommen, die inzwischen wieder auf Mais und Reis setzten.“ Ein Jahr hat es gedauert, bis sie überzeugt waren. „Heute sind die 38 Bauernfamilien und wir eine Art Kooperative, die auf gegenseitigem Vertrauen und fairen Verträgen fußt.“ Das sieht auch Bauernsprecher Jack so: „Heinz gibt uns finanzielle Sicherheit. Er nimmt ab, was er bestellt hat und vor allem: Er zahlt den vereinbarten Preis pünktlich.“ Klar, dass die Chiang-Rai-Bauern inzwischen exklusiv für die Palama-Farm anbauen.

Die Bauern waren erst halb gewonnen, da setzte Heinz Niedermeier schon alles auf eine Karte: In Lampang baute er eine kleine, aber feine Ölfabrik nach modernsten Standards. „Seine“ Nussbauern lud er ein, das Werk zu besichtigen, brachte ihnen bei, wie die Sacha-Inchi-Pflanzen ohne Dünger und Pestizide so kultiviert werden können, dass sie hohe Erträge bringen und lange leben. „Bei guter Pflege und regelmäßigem Schnitt wird so eine Pflanze an die 50 Jahre alt.“

Dafür, dass ökologische Regeln beim Anbau strikt eingehalten werden, zahlt Heinz Niedermeier einen deutlich höheren Preis für die Nüsse als beim konventionellen Anbau. Einmal im Monat sind er und seine Frau vor Ort in den Bergen, um zu schauen, ob alles läuft, Maschinen wie Erdbohrer nach oben zu bringen und Hilfe bei der Pflanzenpflege zu geben.

Die Bauernfamilien sind mit dem biologischen Anbau nicht nur wegen des hohen Nusspreises zufrieden. „Durch die gute Berglage und den idealen Boden braucht es nur regelmäßige Pflege, der Rest kommt von alleine“, sagt Jack. Und: „Die Nuss kann jeden Monat geerntet werden, was sonst bei keinem anderen Gemüse oder Obst möglich ist.“ Viel Arbeit für die Familien. Die sternförmigen Früchte der bis zu drei Meter hohen Sacha-Inchi-Pflanze müssen von Hand gepflückt werden. Dann wird der Samenkern – nicht ganz korrekt landläufig als Nuss bezeichnet – manuell „entkleidet“ und sortiert.

In Lampang ist es wieder einmal so weit: Heinz Niedermeier lässt INCHI GOLD der jüngsten Kaltpressung in einen Probekolben laufen. „Sieht wirklich aus wie Gold“, freut er sich und verweist stolz auf den hohen Omega-3-Fettsäuren-Gehalt seines Öls. „45 Prozent, das schafft sonst keiner in Thailand. Wir arbeiten daran, noch besser zu werden“, lacht er. Dafür verzichtet er auch auf Einkommen. „Unsere Füllmenge ist limitiert. INCHI GOLD in industrieller Massenproduktion – das wird es garantiert nicht geben.“